Damit kein schiefes Bild entsteht: die Floskelwolke

Seit Anfang August ist ein interessantes Projekt der Nachrichtenredakteure Udo Stiehl und Sebastian Pertsch online: die Floskelwolke. Das Ziel dieser Initiative ist die Sensibilisierung auf den allzu leichtfertigen Gebrauch von Formulierungen in journalistischen Texten.

floskelwolke_breit

Augenmerk auf Nachrichtenmeldungen

Die Verantwortlichen richten ihr Augenmerk auf Nachrichtenmeldungen. Sie bewerten nach eigenen Angaben „nahezu alle deutschsprachigen Zeitungen, Radiosender, Fernsehsender und Magazine“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In Summe werden rund 1.600 Domains, die etwa 2.400 Medien repräsentieren, analysiert.

 

Zwei Mal täglich: die aktuelle Floskelwolke

Das Ergebnis dieser Analyse wird zweimal täglich präsentiert. Es werden jeweils zwei Floskelwolken veröffentlicht:
• TOP-Floskeln und
• TOP-Wachstum

Als Beispiel sei hier die Floskelwolke für den Morgen des 8. Septembers 2014 gezeigt:

floskelwolke_aktuell_08092014

Der Nachrichtengiftschrank: Floskeln, Phrasen & Formulierungen

Die häufigsten (und wohl auch unnötigsten) Floskeln finden sich auf der Webseite im sogenannten „Nachrichtengiftschrank“. Die hier gesammelten Floskeln werden jeweils kurz kommentiert und kategorisiert:

  • Gelb wird für Formulierungen verwendet, die keinen inhaltlichen Schaden anrichten, einen Text aber auch nicht schöner machen.
  • Orange kennzeichnet Formulierungen, die missverständlich oder sogar sachlich falsch sind.
  • Rot markiert schließlich jene Formulierungen, die nach Meinung der Initiatoren gezielt eingesetzt werden, um zu verschleiern, zu beschönigen oder zu manipulieren.

 

Keine Anprangerung, sondern Sensibilisierung

Wie eingangs erwähnt, geht es den Betreibern der Floskelwolke nicht darum, einzelne Medien oder gar Redakteure anzuprangern. Sie möchten vielmehr Bewusstsein dafür schaffen, dass manche Floskeln, Phrasen, Formulierungen und Sprachbilder oft unreflektiert eingesetzt werden und Texte nicht besser machen oder sie gar inhaltlich verfälschen.
All dies passiert mit einem Augenzwinkern und macht die Anmerkungen und Begründungen der Autoren umso lesenswerter. Bei manch einer Formulierung fühlt man sich durchaus ertappt und hinterfragt so auch den eigenen Schreibstil. In anderen Fällen wird einem bewusst, dass ein oft verwendetes Sprachbild im Grunde keinen Sinn macht. Als Beispiel seien Thermometer erwähnt, die offenbar zu Beginn der kalten Jahreszeit vielfach kaputt werden – warum sonst würden die Medien von „fallenden Thermometern“ berichten?

 

Nicht nur für Journalisten wichtig!

Eine solche Sensibilisierung ist nicht nur für Journalisten wichtig, auch PR- und Kommunikationsmanager sollten sich angesprochen fühlen. In manchen Fällen wohl noch mehr als Redakteure, denn wie oft geht eine Pressemitteilung vor lauter Floskeln geradezu über? Hmm, das war doch gerade eine, oder? Eine Pressemitteilung ist schließlich kein Kochtopf, der übergehen kann…

 

Weiterführende Links:

Floskelwolke (Webseite)

Floskelwolke (Twitter)

Udo Stiehl (Twitter)

Sebastian Pertsch (Twitter)

 

 

 

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